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DRK Krankenhaus Clementinenhaus
Dr. med. Andreas Kuthe
Chefarzt Allgemein- und Unfallchirurgie
Lützerodestraße 1
30161 Hannover
Tel.: 05 11 / 33 94 32 76
Fax: 05 11 / 33 94 35 11
E-Mail: akuthe@clementinenhaus.de
Schwerpunkte:

DRK Krankenhaus Clementinenhaus
Dr. med. Ricarda Flade-Kuthe
Fachärztin Chirurgie
Lützerodestraße1
30161 Hannover
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Leiterin präoperative Sprechstunde
Koordination Adipositaschirurgie
Leiterin Adipositassprechstunde
Anmeldung Adipositassprechstunde
Tel: 05 11 / 33 94 32 05
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kury2: Ich schleppe mich ein Leben lang mit Übergewicht herum. Als ich in die Wechseljahre kam ist es noch mal richtig heftig geworden und ich habe noch mal 20 kg zugenommen. Bis zu welchem Alter kann man so ein Magenband bekommen. Gibt es da Grenzen nach oben?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Eine feste Altersgrenze nach oben für eine Magenbandoperation gibt es nicht. Wichtig ist das biologische Alter, das der Behandelnde einschätzen muß. Allgemein wird aber eine Grenze von 60 Jahren nach oben angenommen. Da sich ab diesem Alter erfahrungsgemäß die durch die Adipositas hervorgerufenen Folgerkrankungen durch ein Magenband nicht mehr korrigieren lassen.
Nitsch : Es wird immer gesagt, daß wir so viele super Dicke haben, aber wo sind die? Ich sehe die eigentlich nicht, außer daß man mal liest, daß einer mit dem Kran irgendwo herausgeholt wird. Aber ist das Grund, so viel Geschrei um die Dicken zu machen?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE: Für Deutschland wird zum jetzigen Zeitpunkt das krankhafte Übergewicht in der Bevölkerung mit einer Größenordnung von 2 % angenommen. Die Tendenz ist deutlich steigend. Deutlich übergewichtig sind in Deutschland etwa 20 %, Tendenz ebenfalls steigend. Die deutlich Superdicken scheuen im Allgemeinen die Öffentlichkeit, da Dicksein bei uns ein sehr negatives Image hat. Die Patienten sind also stigmatisiert. Dazu kommt, daß sie sich häufig nicht mehr in gewohnter Weise an dem normalen sozialen Leben beteiligen können. Zunehmend häufig finden wir bereits adipöse und sehr adipöse Kinder, hier wird also in unserer Gesellschaft heute schon im Kindesalter der falsche Weg gewählt.
lucy : Bei einer Größe von 158 mit 97kg Band oder Ballon, was ist für mich besser?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Bei den von Ihnen angegebenen Daten errechnet sich ein Body-Mass-Index von 38. Der Body-Mass-Index (BMI) wird folgendermaßen berechnet: Man teilt das Gewicht in kg durch das Quadrat der Größe in Metern. Die Indikation für ein Magenband stellt sich im Allgemeinen ab einem BMI von 40. Bei Patienten mit erheblichen schon bestehenden Folgeerkrankungen aus dem orthopädischen Bereich oder Diabetes Mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck kann eine OP-Indikation auch schon bei einem BMI von 35 gestellt werden. Der Magenballon ist im Gegensatz zum Magenband eine vorübergehende Maßnahme. Der Ballon muß also, um keine Schädigungen im Magen zu machen, nach einiger Zeit entfernt werden, spätestens nach sechs Monaten. Das Magenband hingegen kann seinen Effekt lebenslang bewirken. Insofern ist in Ihrem Fall anhand von Nebenerkrankungen zu prüfen, ob schon eine Operationsindikation besteht oder ob Versuche auf anderem Wege, vielleicht auch unter Zuhilfenahme des Magenballons, eine ausreichende Gewichtsreduzierung erzielt. Ganz wichtig ist eine eingehende Ermittlung Ihres Ernährungsverhaltens durch eine entsprechend geschulte Diätberaterin.
MODERATOR : Hinweis: Das schwedische Magenband ist regulierbar, die Verstellung der Größe des Bandes beeinflußt den in seinem Volumen veränderten Magen des Patienten. Dadurch kann der Patient nur noch wenig essen. Viele der heutigen Fragen beziehen sich auf diese Magenband-Therapie mit dem schwedischen Magenband.
Ellen : Ich weiß, daß man so ein Band verstellen kann, wie aufwändig ist das? Kann ich das selbst machen z.B. vor Weihnachten? Ich träume von Gans und Rotkohl. Ich muß zwar nicht hungern mit dem Band, aber ich wünsche mir so sehr, mal wieder richtig knallsatt zu sein. Dieses Gefühl, Du kannst Dich nicht mehr bewegen. Nur einmal!!! Danach will ich wieder ganz so leben, wie es mit dem Magenband erforderlich ist. Aber einmal sündigen, das wäre schön.
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : In der Tat ist das Magenband verstellbar. Dieses kann jedoch nur ein entsprechend geschulter Arzt unter Röntgenkontrolle vornehmen. Von einer vorübergehenden Bandweitstellung aus Anlaß eines besonderen Anlasses wie Weihnachten oder Urlaub, ist dringend abzuraten. Anders ist es im Falle einer Schwangerschaft, wo ja aufgrund des heranwachsenden neuen Lebens ein erhöhter Kalorienbedarf bestehen kann. Das Band bewirkt ein frühes Einsetzen des Sättigungsgefühles. Auch mit kleinen Mengen kann dieses erreicht werden, so daß durch das Band die Kalorienaufnahme vermindert wird. Natürlich fehlt dann das Gefühl des prallen vollen Bauches, der einen zum Liegen zwingt. Die Adipositas hat gewisse Aspekte einer Suchterkrankung und auch einem z. B. alkoholsüchtigen Patienten würde man ja niemals erlauben, zu einem besonderen Anlaß "zu sündigen".
Baer : Ich denke, daß bei mir was nicht stimmt, denn bei mir ist keine Regelmäßigkeit da. Manchmal kann ich pausenlos essen, dann wieder wenig bis normal. Es hat dazu geführt, daß ich jetzt 124 kg/166 bin. Habe von Selbsthilfe gehört, die berät in Richtung Magenband. Wie finde ich die?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Eine Unregelmäßigkeit im Eßverhalten bis hin zum anfallsartigen Massenfuttern findet sich bei vielen schwer adipösen Menschen. Dies ist ein uns gut bekanntes Phänomen und so sind Sie keine Ausnahme. Sie finden Chirurgen, die sich mit der Chirurgie der Adipositas und dem Magenband beschäftigen im Internet in vielen deutschen Städten gibt es inzwischen Spezialisten. Eine Möglichkeit über das Internet bietet die Adresse www.dicke-chance.de
rias : Eigentlich ist die OP ja der letzte Schritt, oder? Welche Schritte müssen davor liegen, gibt es bei Ihnen auch psychologische Hilfe usw.? Oder ist das sinnlos, ich würde es eigentlich doch gerne noch einmal mit einer professionellen Diät versuchen! Wer kann mich dabei professionell begleiten?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Sie haben natürlich Recht, die Operation kommt erst dann zum Einsatz, wenn die sog. konventionellen Therapiemöglichkeiten nicht ausgereicht haben. Diese beinhalten eine Führung durch professionelle Diätberatung, eine Führung durch Verhaltenstherapeuten, begleitet durch spezielle Krankengymnastik im Sinne von spezieller Bewegungstherapie für Dicke. Entsprechende Hilfe läßt sich in jeder deutschen Stadt finden. Ein erster Schritt kann hier über Sportvereine mit Adipositas-Gruppen gehen oder über speziell geschulte Diätberaterinnen. Zudem haben sich zunehmend Arztpraxen für Präventionsmedizin etabliert.
sabrina : Macht es eigentlich sinn erst einmal mit so einem Ballon 10 kg abzunehmen und dann mit dem Magenband weiter zu machen?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : So, wie die Frage gestellt ist, muß man sie mit einem klaren Nein beantworten. Es gibtallerdings Situationen, wo es Sinn macht, das Operationsrisiko bei extrem Übergewichtigen durch eine vorherige Balloneinbringung zu senken. Da das Wirkprinzip des Ballons dem Wirkprinzip des Magenbandes sehr ähnlich ist, kann hierbei auch abgeschätzt werden, ob das Magenband überhaupt indiziert ist oder besser auf die aufwändigeren Operationsverfahren, wie Magenbypass, umzuschwenken ist. Unabhängig davon denke ich, daß eine Gewichtsabnahme von 10 kg auch ohne einen Magenballon jeder Adipöse schaffen können sollte. Denn auch das Magenband verlangt ja im weiteren Leben eine gewisse Selbstdisziplin und die Bereitschaft, das eigene Leben und Verhalten umzustellen.
Netmouse : Was für Voruntersuchungen sind notwendig vor einer Operation?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Zur Indikationsstellung der Operation muß zunächst ausgeschlossen werden, daß die Adipositas eine innere Krankheitsursache hat, z. B. bestimmte Stoffwechsel- und hormonelle Erkrankungen. Daneben sind Untersuchungen erforderlich, die die typischen Nebenerkrankungen, wie Zuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen abklären. Wichtig ist auch eine psychologische Beurteilung zur Festlegung des Adipositas-Typus und zum Ausschluß einer zusätzlichen Suchterkrankung (Alkohol, Drogen). Auszuschließen ist auch eine Medikamenteneinnahme, die als Nebenwirkung eine Gewichtszunahme hat, wie z. B. Medikamente zur Depressionsbehandlung oder Cortisonpräparate. Für die Operation selber sind allgemeine Körperfunktionen wie Herz, Kreislauf, Lunge und Niere zu prüfen. Zudem muß unbedingt eine Magenspiegelung erfolgen, um begleitende Magenerkrankungen auszuschließen.
engelhardt : Mein Hausarzt kennt kein Magenband!!!!!!!! Haben sie so was schon mal gehört? Wechseln fällt mir trotzdem schwer, weil er mich seit meiner Kindheit kennt. Wie kann ich ihm klarmachen, daß er sich informieren soll? Bisher zeigt er kein Interesse.
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE: Für viele Ãrzte, ebenso so wie für den großen Teil der Bevölkerung, stellt die Adipositas an sich keine eigenständige Erkrankung dar, obwohl sie dies laut Definition der Weltgesundheitsorganisation ist. Andererseits fehlt aber schon während des Studiums eine entsprechende Ausbildung, so daß die Einstellung Ihres Hausarztes ein uns bekanntes Phänomen ist. Es gibt eine Informationsbroschüre für Hausärzte mit dem Titel "Informationen für den niedergelassenen Arzt, chirurgische Behandlung der morbiden Adipositas". Wir könnten bei der Beschaffung behilflich sein.
Katerina Wolf : Durch Ihre Seite konnte ich für mich schon lange interessante Fragen beantworten, jedoch hätte ich noch einige und vielleicht können Sie mir die beantworten. Ich leide seit Jahren anÜbergewicht, viele Diäten versucht, viele Medikamenten wie Adipex, Xenical und viele Zauber-Pillen habe schon ausprobiert, aber ich nehme nicht ab. Wenn schon, bald ist altes Gewicht wieder da und kleiner Bonus noch dazu. Nun plagen mich schreckliche Rückenschmerzen und Arzt sagt abnehmen, aber wie? Wenn die Schmerzen keinen Sport erlauben. Somit wäre für mich eine OP-Magenband interessant. Ich bin 30 Jahre alt, 172 cm groß und 109 kg- bin ich somit für eine OP zu schlank? Wenn der Patient diesen Eingriff selber zahlen möchte, muß er auch so viele Formularen ausfüllen oder kann sein Wunsch einfach mit dem Arzt/Operateur abgesprochen und dann durchgeführt werden? Ich würde mich freuen, von Ihnen eine Antwort bekomme.
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Bei Ihrer Größe und Ihrem Gewicht ist Ihr BMI ungefähr bei 35. Sie sind also ein Grenzfall. Hier ist ganz individuell zu prüfen anhand von Begleiterkrankungen, inwieweit eine medizinische Indikation besteht. Typisch ist Ihre Schilderung des sog. Jo-Jo-Effektes. Das bedeutet, daß eine Diät zwar eine Gewichtsreduzierung bewirkt, das Verhalten ändert sich aber nicht, es kommt nach der Diät zu einer Gewichtszunahme über das Ausgangsgewicht hinaus, so daß im Endeffekt doch eine stetige Gewichtszunahme erfolgt. Man sieht, daß eine Diät alleine, ohne zusätzliche begleitende Therapie im Hinblick auf die Veränderung von Lebensgewohnheiten und Eßverhalten nicht ausreicht. Bei nicht gegebener medizinischer Indikation zur Operation lehnen wir die Operation ab, auch wenn der Patient die Kosten selber dafür trägt.
J. Holler : Bei einer Körpergröße von 164 und 86 Kilo qualifiziere ich mich nicht für ein Magenband. Hat man mir jedenfalls gesagt. Nur wie kann ich 30 Kilo abnehmen? Ich weiß nicht wie es gehen soll, oder gibt es evtl. doch ein Zentrum, das mir ein Magenband einbaut, gegen Barzahlung?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Mit Sicherheit ist eine Magenbandimplantation oder gar weitergehende operative Maßnahmen nicht angezeigt. Ich denke auch nicht, daß sich ein Chirurg findet, der dieses auch gegen Barzahlung durchführen würde. Ich glaube auch nicht, daß das Band bei Ihnen den gewünschten Effekt erzielen würde. Sie sind ein klassischer Patient für "Lifestyle-Ãnderung". Ggf. könnte dies vorübergehend durch einen Magenballon unterstützt werden. Man muß sich auch fragen, inwieweit medizinisch bei Ihren Daten Gesundheitsrisiken bestehen oder inwieweit es sich hier eher um ein ästhetisches Problem handelt. Ich glaube nicht, daß die Welt, die uns im Fernsehen und in Hochglanzbroschüren vorgegaukelt wird, von ausschließlich jungen, schlanken, aktiven Menschen, ein erstrebenswertes Ziel ist. Natürlich wäre es sinnvoll, wenn Sie 10 bis 15 kg abnehmen würden und ich bin sicher, daß sich dies durch entsprechende Diätplanung mit Ernährungsumstellung, zusätzlicher Bewegungstherapie, Sport und vielleicht begleitend einer Selbsthilfegruppe erreichen läßt.
Bettina : Weil ich so kurzatmig war, sollte ich aufhören zu rauche. Das habe ich geschafft, aber dann bin ich immer dicker geworden. Außerdem brauchte ich irgendwie einen Ersatz und nun hört das nicht auf, sondern wird immer mehr. Am schönsten finde ich Schokolade, am besten mit ganzen Haselnüssen. Gibt es da eine chirurgische Möglichkeit, daß ich das unter Kontrolle bekomme?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Hierfür gibt es keine chirurgische Möglichkeit. Hier brauchen Sie psychologische Unterstützung, denn Sie haben die eine Sucht gegen eine andere eingetauscht. Schokolade ist ein ganz gefährliches Nahrungsmittel, da es durch Erhöhung des Insulinspiegels den Hunger deutlich vermehrt. Dies gilt natürlich für andere Süßigkeiten auch.
Silli : Gehöre zu den Sweeteatern und ich trinke auch Süßes. Ist nicht gut, weiß ich, kriege es aber nicht anders hin. Was bleibt für mich an Möglichkeiten, um mein Problem zu lösen? Wäre schön, wenn ich Antwort auf meine Frage bekommen könnte. Fühle mich ziemlich hilflos und allein. Mein Partner nervt. 31J., 171, 104kg.
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Da wir nicht wissen, was Sie bisher versucht haben, insbesondere welche ärztlich geleiteten Maßnahmen durchgeführt worden sind, würden wir Ihnen dringend eine Diätberatung mit zusätzlicher Verhaltenstherapie anraten. Eine Operationsindikation für ein Band gibt es mit Sicherheit nicht, da das Band bei Sweeteatern nicht funktioniert. Sweeteater sind Menschen, die ihren "Kalorienbedarf" in erster Linie durch süße Getränke und stark gesüßte Nahrungsmittel sowie Süßigkeiten zu sich nehmen. Diese Dinge rutschen durch das Magenband, so daß kein Sättigungsgefühl auftreten kann. Der Sweeteater kann also sehr leicht das Band überlisten. Anders ist dies beim Magenbypass, bei dem eine Fehlverdauung resultiert. Hiermit kann auch ein Sweeteater operativ therapiert werden. Es muß allerdings auch hierfür zunächst eine strenge Indikation gestellt werden.
Riekjardt : Wenn ich jetzt als sehr Dicker zu Ihnen komme, was passiert dann mit mir, was läuft da ab?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Vor dem ersten Treffen mit Ihnen würden wir Ihnen Informationsmaterial zuschicken. Und würden Ihnen mitteilen, welche Informationen und welche Voruntersuchungen wir von Ihnen brauchen. Im nächsten Schritt und unter der Voraussetzung, daß Sie nach Lesen des Informationsmaterials weiterhin eine Operation wünschen, würden wir einen Termin für ein persönliches Gespräch vereinbaren. In diesem Gespräch werden wir dann klären, welche Maßnahmen für Sie in Frage kommen.
Grill : Also ich möchte nun gern verbindlich wissen, ob ich Anspruch auf ein Magenband habe. Adipositas ist doch irgendwann mal auf europäischer Ebene als Krankheit anerkannt. Das Magenband ist eine anerkannte medizinische Stütze, die hilft abzunehmen. Wo ist jetzt das Problem der Kassen? Ist doch alles in trockenen Tüchern!
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Zunächst ist durch eine entsprechend ausgerichtete Klinik die medizinische Indikation zu stellen. Wenn die anerkannten Kriterien gegeben sind, müssen Sie sich um die Kostenübernahme durch Ihre Kasse bemühen. Es gibt zu dieser Fragestellung ein Sozialgerichtsgutachten, das die Kassen hier in die Pflicht nimmt. Dennoch wird häufig zunächst die Kostenübernahme durch die Kassen verweigert. Hier müssen Sie dann den Rechtsweg einschlagen, dieses kann sich Monate bis Jahre hinziehen, wird aber bei entsprechendem Durchhaltevermögen Ihrerseits zum Erfolg führen müssen. Warum die Kassen bisher sehr zögerlich sind, entzieht sich natürlich unserem Wissen. Unseres Erachtens gehört auch die Behandlung der Adipositas zum Leistungsspektrum der Krankenkassen und somit auch die Adipositas-Operation. Unseres Erachtens besteht allerdings sowohl bei Kassen als auch bei den zuständigen medizinischen Diensten der Krankenkassen (MdK) auch heute noch ein deutliches Wissensdefizit. www.dicke-chance.de Unter der Domain www.dicke-chance.de erhalten Sie detaillierte Hinweise, wie Sie mit Ihrer Krankenkasse sprechen könnten. Sie finden unter www.dicke-chance.de auch Formulierungen für Anträge zur Kostenübernahme.
Zurick : Wieso werden wir immer fetter? Was läuft da gesellschaftlich falsch?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Diese Frage könnte man mit einem mehrere 100 Seiten langen Buch versuchen zu beantworten. Wir können hier nur einige Schlaglichter werfen. Zum einen ist unsere Gesellschaft sehr immobil geworden, sowohl bei der Arbeit als auch im Privaten ist Bewegung nicht mehr erforderlich. Wir werden zu Konsumenten. Wir sitzen und konsumieren Fernsehen, Computer, Autofahren und wir konsumieren auch hochaufgeschlossene kalorienreiche Nahrung. Wir wollen nicht mehr stundenlang über Märkte streifen und frische Nahrungsmittel kaufen, um sie in der eigenen Küche frisch zuzubereiten. Wir essen Fast-Food und Mikrowellenessen. Für zwischendurch gibt es Schokoriegel. Video und Computer halten uns davon ab, die Welt selbst zu erleben, die Natur zu erleben, unseren Körper zu bewegen und wir werden immer mehr davon abgehalten, uns für uns selber verantwortlich zu fühlen. Diese Verantwortung kann dem Einzelnen aber niemand abnehmen. Die Gesellschaft schafft nur gewisse Bedingungen, die man hinnimmt oder eben nicht. Der Gesellschaft die Schuld allein zu geben, ist unseres Erachtens zu billig. Wie wäre es mit ein paar Möhrchen statt des Schokoriegels? Warum gehen wir nicht 500 m zum Einkaufen, statt sie zu fahren? Warum nicht frische Luft am See, statt verrauchte in der Kneipe? Und am aller wichtigsten, wir müssen wissen, daß wir Vorbilder sind für unsere Kinder, daß wir für sie die Verantwortung tragen, ihnen aber früh beibringen müssen, daß sie auch für sich selber Verantwortung übernehmen müssen. Also, weg vom Computer mit den Kindern, weg vom Fernsehen und Video, raus in den Garten, hin zum Sportverein, auf das Fahrrad! Und bitte bitte keine Schokoriegel und kein Fast-Food. Und wir sollten uns selber persönlich Zeit nehmen für diese Dinge!
Ruth : Wie lang ist der Vorlauf für die Anmeldung bei den Experten? Gibt es dann auch hinterher dort plastische Chirurgie?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Die Anmeldung bei uns kann per Internet oder Telefon erfolgen. Wie schon gesagt, versenden wir dann Informationsmaterial. Ein Vorlauf für die Sprechstunde besteht und liegt im Moment zwischen zwei und drei Wochen. Wir selbst beschäftigen uns nicht mit plastischer Chirurgie, haben aber entsprechende spezialisierte Kooperationspartner. Der Grund hierfür ist, daß die Ausbildung zum Bauchchirurgen eine völlig andere ist als die Ausbildung zum plastischen Chirurgen, so daß fast nie die Situation eintritt, daß beide Dinge durch eine Person angegangen werden können.
Erika St. : Habe von einer chirurgischen Methode gehört, wo man einmal rundherum einen Hautschnitt bekommt und die überschüssige Haut herausgenommen wird. Wie sieht man da hinterher aus? Kann ich dann an den Strand gehen im Sommer und vor allem, funktioniert das wirklich, weil doch die Haut eigentlich am ganzen Körper festgewachsen ist.
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Es gibt in der Tat eine chirurgische Methode zur Entfernung überschüssiger Haut im Bereich von Bauch, Flanke, Hüfte, Po und Oberschenkel. Hierbei entstehen Narben, die sich in einem nicht zu knappen Bikini verbergen lassen. Korrekturen an Brust und Armen sind so natürlich nicht zu korrigieren. Entsprechend spezialisierte Kollegen sind uns bekannt.
lösing : was ist eigentlich danach mit den plastischen OPs, machen Sie die auch? Werden die auch von der Krankenkasse bezahlt?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Nach einer großen Gewichtsabnahme gibt es medizinische Indikationen für plastische Operationen. Dies ist den Kassen bekannt und bewußt. Entsprechende Anträge werden von Patient und behandelnden Ãrzten gemeinsam an die Kassen gestellt und werden üblicherweise positiv beschieden.
Lilia : Habe leichten Diabetes und auch Hochdruck. Wiege jetzt 90 kg, aber ich esse nicht viel. Mal schaffe ich es 10 kg abzunehmen, aber ich kann es nicht halten. Magenband oder Magenverkleinerung, wäre das für mich die Lösung?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Diese Frage läßt sich anhand Ihrer Angaben nicht beantworten. Entscheidend wichtig ist Ihre Größe und damit Ihr BMI. Für eine Gewichtsabnahme von beispielsweise 10 kg sind Magenband oder Magenverkleinerung nicht die richtigen Maßnahmen. Hier ist Verhaltenstherapie und Diätberatung der einzuschlagende Weg.
keilers : Wie hoch liegt das Sterberisiko bei einer Magenbandoperation?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Anhand der bisher veröffentlichten Ergebnisse von Magenbandoperationen ist das Sterberisiko bei einer Operation mit unter 1 % anzunehmen.
gulitt : Wenn man so ein Magenband hat, wie geht es dann weiter? Wie wird das reguliert?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE: Üblicherweise stellt sich der operierte Patient vier Wochen nach dem Eingriff ambulant wieder vor. Hierbei wird das Band unter Röntgenkontrolle eingestellt, wenn nötig. Im Folgenden sollte vierteljährlich eine ambulante Vorstellung erfolgen zur Kontrolle der Gewichtsabnahme, zur Prüfung der Eßgewohnheiten und ggf. zur Beratung sowie zur erneuten Bandeinstellung. Üblicherweise hat man nach sechs bis zwölf Monaten eine im Weiteren nur selten zu korrigierende Bandeinstellung erreicht, dennoch braucht der Patient eine langjährige Begleitung und Führung, eine immer wiederkehrende Beratung bezüglich seiner Lebensgewohnheiten und seines Eßverhaltens.
Anke : Ich habe eine seltsame Frage, meine die aber ernst: Kann ein Mensch platzen? Ich meine damit natürlich, daß der Verdauungstrakt überlastet wird und dadurch Risse oder Verletzungen entstehen. Ist das der Fall, wenn ein Patient an den Folgen der Adipositas stirbt?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Hierbei fällt einem der Film "Das Leben des Bryan" von Monty Python ein, wo in der Tat jemand durch Essen platzt. Dies ist medizinisch allerdings nicht möglich. Einreißen oder Platzen tut ein Darm oder Magen nur dann, wenn ein Hindernis die Weiterleitung der Nahrung durch den Verdauungstrakt behindert. Wenn ein Patient im Rahmen seiner Adipositas stirbt, so tut er das üblicherweise durch ein Herz-Kreislauf-Versagen, bedingt durch die Schwächung des Herzens durch hohen Blutdruck und durch Einengung der Blutgefäße, hervorgerufen durch Diabetes Mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Hinzu kommt eine zunehmende Behinderung der Atmung, die zu einer nicht mehr ausreichenden Sauerstoffversorgung des Körpers führt.
anonym : Ich hatte anfangs einen Magenballon, dachte das wäre weniger belastend. Das ist das Letzte! Ich hatte irre Schmerzen, ständig irgendwelche Komplikationen und abgenommen habe ich kaum. Als das Ding raus war, habe ich die Kilos wieder zugenommen. Jetzt will ich es mit einem Magenband versuchen und habe auch schon die Genehmigung bei meiner Krankenkasse beantragt. Mit welchen Nebenwirkungen muß ich jetzt bei dem Band rechnen?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Wie wir vorhin schon gesagt haben, funktionieren Magenballon und Magenband auf eine sehr ähnliche Art und Weise. Beide führen dazu, daß die Nahrungsmenge, die aufgenommen werden kann, erheblich reduziert wird. Dies gilt allerdings nur für feste Nahrungsmittel. Insofern ist davon auszugehen, daß bei Versagen des Magenballons das Magenband wahrscheinlich nicht der richtige Weg ist. Wir wissen allerdings nicht, warum der Magenballon bei Ihnen Probleme gemacht hat und welche Komplikationen aufgetreten sind. Auch das Magenband ist nur ein Hilfsmittel, es unterstützt den Abnehmwilligen, es nimmt ihm aber nicht die Selbstverantwortung ab. Das Verhalten muß sich ändern, sonst kann das Band nicht wirken. Das Band läßt sich nicht nur durch flüssige Nahrungsmittel überlisten, es kann auch schwerwiegende Komplikationen bewirken, wenn der Magenbandträger die Meldungen seines Körpers und insbesondere seines Magens nicht wahrnehmen will. Dies gilt insbesondere dann, wenn durch zu große aufgenommene Nahrungsmengen der Magen aufgedehnt wird. Das Magenband teilt ja einen sehr kleinen Teil des Magens als sog. Vormagen vom Magen ab. Dieser Vormagen erfährt schon bei kleiner Nahrungsmenge eine Dehnung. Die Dehnungsrezeptoren in der Magenwand melden dies an das Gehirn, der Patient bemerkt ein Sättigungsgefühl. Wenn man nun gegen dieses Gefühl "mit Gewalt" anißt, dehnt man den Vormagen extrem auf, dieses kann zu Durchblutungsstörungen bis hin zum Magenwandeinriß führen. Also noch einmal: Das Magenband ist ein Hilfsmittel, kein Automat!
Inge : In unsere SH habe ich gehört, daß man leicht Probleme mit der Galle bekommt mit einem Band. Ich habe deshalb vor, den Chirurgen zu bitten, vorher die Galle zu entfernen, aber das fällt mir nicht leicht. Denn irgendwie wird diese ganze Geschichte immer größer. Was ist mit dem Blinddarm? Den habe ich auch noch.
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Starke Gewichtsabnahmen führen unabhängig von deren Ursache unter Umständen zur Gallensteinbildung. Insofern ist dies kein reines Magenbandproblem. Sind allerdings schon zum Zeitpunkt der Magenbandimplantation Gallensteine vorhanden, so sollte in der Tat überlegt werden, diese schon erkrankte Gallenblase mit zu entfernen. Eine gesunde Gallenblase sollte auf keinen Fall prophylaktisch entfernt werden und ebenso natürlich auch kein gesunder Blinddarm. Sollten Gallensteine später auftreten oder Blinddarmentzündungen, so lassen sich beide Probleme auch beim Magenbandpatienten laparoskopisch lösen, sofern hierfür eine Indikation besteht.
anonym : Irgendwie geht das mit Optifast immer hoch und runter. Ich kann damit ganz gut abnehmen, aber ich nehme auch wieder zu. Was natürlich ein Problem ist und dann lohnt der ganze Aufwand nicht. Jetzt suche ich nach einer dauerhaften Methode. Welche Voraussetzungen muß ich erfüllen für ein Magenband?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Ob Optifast oder andere konventionelle Verfahren zur Gewichtsabnahme: All dies funktioniert nur bei dauerhafter Anwendung und bei entsprechend geführter Verhaltensänderung. In dem Moment, wo so eine Diät beendet wird und sich das Verhalten nicht geändert hat, wird das Ausgangsgewicht oder gar mehr relativ schnell wieder erreicht. Die morbide Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die einer dauerhaften Behandlung bedarf. Hierbei ist auch eine dauerhafte Mitwirkung des Betroffenen unabdingbar. Dies beinhaltet Umstellung der Ernährung, regelmäßige sportliche Betätigung, Bewegung im Alltag. Die Voraussetzungen für das Magenband lassen sich gut aus www.dicke-chance.de entnehmen.
Nele : Kann von guten Erfahrungen mit dem Band berichten. Nach 6 Monaten 40 Kilo weg, nach einem Jahr insgesamt 75 Kilo. Jetzt hängt die Haut. Ich weiß daß ich das beim plastischen Chirurgen korrigieren lassen kann. Aber ich schaffe das mit dem Geld nicht. Als ich anfing mit dem Magenband, hatte man mir gesagt es besteht die Möglichkeit, daß die Kasse die Kosten übernimmt. Aber das stimmt nicht. Weiß jemand einen Rat?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Mir ist die Haltung Ihrer Krankenkasse absolut unverständlich. Bei der von Ihnen geschilderten Abnahme von 75 kg sind plastische Korrekturen ein medizinisches Muß. Hier müssen Sie gemeinsam mit plastischen Chirurgen, Ihrem behandelnden Arzt und dem Adipositas-Chirurgen den Kostenübernahmeantrag stellen, ggf. auch rechtliche Mittel einlegen.
Hille_Dortmund : Der Weg wäre doch, schon bei den Kindern sehr genau aufzupassen und die Eltern in die Pflicht zu nehmen. Ich sehe überall fette, unästhetische Kinder. Wieso greifen dort Kontrollmechanismen außerhalb der Familie (Schularzt, Schulsport) nicht eher?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE: Unseres Erachtens sind in jedem Falle primär die Eltern in der Pflicht. Übernimmt man doch erhebliche Verantwortung, indem man ein Kind in die Welt setzt. Kontrollmechanismen können nicht greifen, da wir in unserer demokratischen Gesellschaft keine staatlichen Kontrollmechanismen haben. Anleitungen können und sollen im Kindergarten und in der Schule gegeben werden. Dies muß aber auch von den Erziehungsberechtigten aufgenommen werden. Insbesondere muß von den Eltern die Problematik erkannt werden. Es ist halt leichter, ein quengelndes Kind mit Süßigkeiten oder "Glotze" ruhig zu stellen, als mit ihm zu spielen.
Jost : Kann sich ein Pouch (Magenbypass) wieder vergrößern durch regelmäßig zu viel Essen?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Auch die Magenbypassoperation funktioniert nur, wenn der Betreffende sich an die Spielregeln hält und wenn er lernt, seinen Körper wahrzunehmen. In der Tat kann sich der Pouch oder besser gesagt, der kleine verbliebene Restmagen durch eine zu große, auf einmal aufgenommene Nahrungsmenge, über einen langen Zeitraum aufdehnen und somit eine durchschnittlich größere Eßmenge erreicht werden. Auch, wenn durch den Magenbypass eine Fehlverdauung resultiert, kann es auf diesem Wege sehr wohl zur mangelhaften Gewichtsabnahme oder sogar zur Gewichtszunahme kommen.
Rieners : Ich wüßte gern von Dr. Kuhte wie viele Magenbänder er schon eingebaut hat?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Um die 100.
anonym : Haben die Experten schon Magenbypässe operiert? Wie vergleicht sich das zum Magenband mit der Gefährlichkeit der Operation?
DR. KUTHE / DR. FLADE-KUTHE : Wir haben uns sehr intensiv mit der Operationstechnik des Magenbypasses auseinandergesetzt, haben verschiedene Kollegen aufgesucht, die Operationen und die Ergebnisse studiert. Wir haben uns bis zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht entschließen können, diese Operation in unser Spektrum aufzunehmen, haben aber engen Kontakt zu entsprechenden Spezialisten. Im Gegensatz zur Magenbandoperation hat die Magenbypassoperation eine nennenswerte Operationssterblichkeit. Die Operation ist nicht rückgängig zu machen und es kann zu gravierenden Mangelerscheinungen bestimmter Elemente und Vitamine kommen.
DR. KUTHE / DR. FLAD: Liebe Teilnehmer unserer Sprechstunde zum Thema Adipositas. Wir danken Ihnen ganz herzlich für Ihr Interesse, für die vielen interessanten Fragen und insbesondere bei denjenigen, die den Mut hatten, sich zu outen. Bringen Sie weiter Mut auf, denn auch der Adipöse hat eine "Dicke Chance", d. h. Sie können etwas für sich tun und es gibt mit Sicherheit auch in Ihrer Nähe professionelle Hilfe. Falls Sie Fragen an uns haben, steht es Ihnen frei, einen Termin zu vereinbaren. Wir wünschen Ihnen allen einen schönen Abend, eine ruhige Adventszeit und einen guten Rutsch in das neue, hoffentlich auch für Sie alle gesunde Jahr.
Ende der Sprechstunde.
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